Spaziergang im Schwarzwald
am Freitagnachmittag den 23.Juni
Es war ein kurzer Spaziergang im ebenen Gelände zum Besuch einer noch funktionierenden Ölmühle angekündigt. Ausgangspunkt sollte das Rathaus sein und der Spaziergang sollte nicht länger als jeweils 30 Minuten in jede Richtung dauern. Wir trafen uns beim Rathaus, wir in normalen Kleidern aber unsere Gastgeber in Bergschuhen mit Rucksack. Mit Rücksicht auf uns wurde dann ein Teil der Strecke im Auto zurückgelegt und nur die letzten 20 Minuten zu Fuss.

Ansicht auf die Mühle bergaufwärts vom Autoparkplatz aus.

Eine lustige Wandergruppe mit angemessener Kleidung und Schuhwerk.
Der Spaziergang führte nicht durch ebenes Gelände sondern ging ständig bergan. Die sehr effizienten Deutschen haben mit Rücksicht auf die Touristen an Plätzen mit schöner Aussicht Bänke aufgestellt, um ausruhen zu können und die Aussicht zu geniessen. Jeder Bauernhof, an dem wir vorüberkamen, besass seine eigene kleine Kapelle in unmittelbarer Nähe des Hauptgebäudes. Das Hauptgebäude des Bauern dient nicht nur der Unterbringung der Menschen sondern auch der Tiere und ihrem Futter für den Winter sowie der landwirtschaftlichen Geräte. Einige dieser Höfe werden nun auch für Touristen zum Urlaub auf dem Bauernhof umgebaut. Eine idyllische Höfegruppe wird als Kulisse für Freiluft-Theateraufführungen von traditionellen Volksstücken verwendet.
Die meisten Schwarzwaldbauernhöfe sind kleine bäuerliche Betriebe, die sich erst neuerdings zur gemeinsamen Nutzung von Maschinen oder eines neuen modernen Viehstalls zusammenschliessen, um ihre wirtschaftlichen Nachteile zu verbessern. Der Orkan “Lothar“ zu Weihnachten 1999 zerstörte viel Wald im Eigentum der Bauern, sodass diese für die nächsten 10 Jahre mit Brennholz gut versorgt sind oder mit dem Verkauf solange warten können, bis bessere Holzpreise zum Verkauf ermutigen. Unser Spazierweg lag auf einer Höhe von etwa 1000 m und ist von Ende Oktober bis April nächsten Jahres immer wieder mit Schnee bedeckt. Wir sahen noch immer Schneereste in höher gelegenen Regionen des Feldbergs.
Diese gefasste Wasserquelle mit Trog im Schwarzwälder Stil (vgl. das beigefügte Bild) ist typisch für den Humor, der aus vielen gewöhnlichen Einrichtungen eines bäuerlichen Haushaltes spricht.
Als wir bei der Ölmühle ankamen, mussten wir zunächst warten, bis eine Gruppe von Feuerwehrleuten aus Neustadt, die dort ihre Gäste von der Feuerwehr aus Leighton-Linslade bewirteten, den Platz räumten. Sie waren -statt zu Fuss dorthin zu marschieren- mit den Feuerwehrautos der Stadt dorthin gekommen.
Es wurde uns dort gezeigt, wie man Leinsamen-Öl und auch Flachs aus einheimischen Pflanzen herstellt,
wobei die Mühle durch ein grosses Wasserrad angetrieben wurde. Wir sahen auch eine typische bäuerliche Wohnung, die mit Rauch aus dem Küchenofen geheizt wurde. Die ganze Wohnung war mit Holzrauch durchzogen! Wir lernten gleichzeitig die Kleidungsvorschriften und in
die Arbeitspraktiken eingeweiht. Den Hut, den Christine als Modell auf dem Bild vorführt, wurde nur am Sonntag getragen. Der dahinter sichtbare Kachelofen wurde von der Küche aus beheizt und bot immer ein gemütlich warmes Plätzchen zum Sitzen im Winter.
Nach der Mühlenbesichtigung gingen wir wieder zu unseren Autos zurück und wurden dann zu einem ländlichen Gasthaus begleitet, das für seine Schwarzwälder Kirschtorte besonders berühmt ist. Und tatsächlich, niemand beklagte sich!
Die Schwarzwälder Kirschtorte wurde zusammen mit einem Kirsch-Schnaps dargeboten, der zwar zum Essen des Kuchens nicht unmittelbar erforderlich aber gut zu trinken war. Unser besonderer Dank geht an Herrn Dr. Kropp, der auch meinem Sohn das Schnapp-Trinken beibrachte.